Scheidung – was jetzt?! Meine derzeitige Gefühlslage & 5 Tipps, um nicht zu „vereinsamen“

Auch wenn heute eigentlich ein Plus Size Sunday wäre, gibt es keinen Outfitpost von mir, sondern wieder ein sehr persönliches Thema. Nachdem ich in den letzten Monaten immer wieder gefragt wurde, wie es mir jetzt nach der Scheidung so geht, möchte ich euch einen Einblick in meine derzeitige Gefühlslage  geben.  Unter anderem erzähle ich euch, wie sich mein Leben seit dem Scheidungstermin im April geändert hat und gebe euch auch noch ein paar persönliche Tipps, wie ihr am besten so einen Schmerz verarbeiten könnt, ohne in eine Depression oder gar Einsamkeit zu verfallen.

Ich möchte anmerken, dass jeder Mensch individuell seinen Schmerz verarbeitet und selber entscheidet, ob er Tipps annehmen möchte oder nicht. Egal wie zerstört am Boden ihr seid, lasst euch nichts aufzwängen oder aufdrängen, wenn ihr Innerlich nicht dazu bereit seid. Irgendwann wird jeder Schmerz und jede Trauer leichter. Gebt euch selber die Zeit, die ihr für diesen Verarbeitungsprozess benötigt.

 

Heute ist der 13. August 2017 und es wäre mein 7. Hochzeitstag gewesen. Im April – also vor 4 Monaten – wurde die Scheidung vollzogen. Irgendwie fühlt es sich noch immer sehr surreal an, insbesondere, wenn ich mir vor Augen halte, wie wenig Zeit eigentlich erst vergangen ist. Für mich war es der schlimmste Tag, als mein Exmann eines Sonntags Abends nach Hause kam, nachdem er 5 Tage ohne Rückmeldung irgendwo in der Versenkung verschwunden ist, und mir erklärte er könne sich mit mir keine gemeinsame Zukunft mehr vorstellen, geschweige denn eine gemeinsame Zukunft mit uns sehen.

Zwar war ich diejenige, die ihn zu diesem Zeitpunkt des Hauses verwiesen hatte, aber es hatte auch seine Gründe. Ich war es leid mir ständig sein angefressenes Gesicht ansehen zu müssen, ständig die gleichen Beschwerden durchkauen zu müssen, ohne das konkrete Verbesserungsvorschläge geliefert, geschweige denn überhaupt umgesetzt worden sind. Denn ja, dazu gehören immer 2. Viel lieber hat er seine nächtliche Freizeit dazu genutzt, sich mit anderen Frauen in einer Traumwelt zu verschanzen, da die Realität mit mir scheinbar nicht mehr erträglich war. Er hat einen sehr feigen Weg gewählt und hat in diesen 5 Tagen außer Haus genau den Rückhalt bekommen, um diese endgültige Entscheidung zu treffen, den er das letzte Jahr noch nicht hatte.  Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich letztes Jahr nicht nur einmal vorgeschlagen habe, gemeinsam eine Paartherapie zu machen, aber wenn das Gegenüber lieber beschließt alles in sich hineinzufressen und mich aus seinen Gedanken und seinem Leben auszugrenzen, fehlt nicht mehr viel, um den endgültigen Schritt zu wagen.

Die Wut übernimmt derzeit noch immer die Kontrolle, wenn ich daran denke, dass er es echt geschafft hat mir ein ganzes Jahr eine heile Welt vorzuspielen – gut heile Welt ist jetzt übertrieben, da wir immer schon up and downs hatten. Aber mich einfach im Glauben zu lassen, es wäre alles in Ordnung, wir wären auf derselben Wellenlänge und die Beziehung würde nicht vor den Scherben stehen. Am meisten ärgert es mich an mir selber, dass ich einfach nichts gemerkt habe. Vielleicht wollte ich auch nichts merken. Rückblickend gesehen wird mir leider immer wieder bewusst, dass er nicht der Mann fürs Leben gewesen ist und dass ich früher diesen Entschluss hätte fassen müssen, so oft wie er mein Herz schon gebrochen hat. Aber ich glaube die meisten wollen sich das in so einem Zeitpunkt nicht eingestehen und kämpfen munter weiter in der Hoffnung es würde eine 100 Grad Wendung kommen.

Die leidigen Déjà-vus

Die letzten Monate waren wirklich eine Herausforderung  für mich. Regelmäßige Flashbacks sorgen dafür, dass alle Erinnerungen von den gemeinsamen Erlebnissen hochkommen. Sei es die derzeitige Urlaubszeit, diverse Events und Festivals. All das erinnert mich ständig an vergangene Ereignisse und diese Momente kann ich leider nicht ausblenden. Gerade bei so einer langen Beziehungszeit haben sich über die Jahre verdammt viele Erinnerungen angesammelt, die teilweise durch gewisse Songs, Aussagen oder Fotos hervorgerufen werden. Da Verdrängen keine Option ist, lasse ich diese zu und entweder leide ich, weil mich gewisse Momente traurig machen oder ich werde wütend über die Tatsache, dass ich es hätte besser wissen müssen. Das Schlimme ist, dass diese Flashbacks aus dem Nichts auftauchen und man seine Gefühle in keiner Form kontrollieren kann. Klar gehört das alles zum Heilungsprozess und wird noch seine Zeit dauern bis diese Wunde verheilt ist. Wenn ich könnte würde ich diesen am liebsten beschleunigen und jede alte Erinnerung durch etwas Neues ersetzen. Wobei … dann müsste ich jedes einzelne Land neu bereisen, jedes Konzert neu besuchen, jeden Song in einen anderen Zusammenhang neu hören, jedes Gericht neu kochen und und und .. hmm da wären wohl wirklich sehr viele Dinge, die ich ersetzen müsste.

Zu der Zeit als ich diesen Artikel verfasst habe, hatte ich noch andere Dinge im Kopf, um die ich mich kümmern musste. Allein schon der Gedanke, ob ich überhaupt in der ehemals gemeinsamen Wohnung bleiben sollte. Beantragung einer Superförderung sowie einer Wohnbeihilfe, um die monatlichen Fixkosten alleine stemmen zu können. Die Befürchtung, dass mich alles an das gemeinsame Leben davor in der Wohnung erinnern würde, hielt sich komischerweise in Grenzen.  Wahrscheinlich lag es auch daran, dass primär ich die Wohnung nach meinen Vorstellungen eingerichtet habe und der Spielraum am Mitspracherecht meines Exmannes relativ gering war. Dieses kam im Endeffekt nur dann zum Vorschein, wenn diverse Kaufentscheidungen abgesegnet wurden. Nachdem er bei der Scheidung nur Anspruch auf seine persönlichen Sachen, wie Kleidung und Computersachen legte, wirkte die Wohnung dementsprechend auch nicht wirklich „ausgeräumt“. Die neugewonnene freie Fläche wurde mit meinen Sachen umdisponiert, weswegen kein bitterer Geschmack aufkam. Das Arbeitszimmer wurde weitgehend von ihm „gestaltet“, wo ich derzeit aber daran arbeite, es nach meinen Wünschen umzugestalten. Meine Pläne diesbezüglich könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Von Liebe zu Hass

So hart es für manch einen von euch klingen mag, ich habe radikal alle gemeinsamen Andenken entsorgt. Gemeinsame Bilder wurden zerrissen, Fotoalben, Schmuck, Karten, Gedichte – einfach alles, was uns in irgendeiner Form zeigte, habe ich meinem Exmann zu seinem Zeug hingelegt. Einen Teil der Sachen habe ich im Mühlraum wieder entdeckt, beim Rest ist es mir gleich, was er damit gemacht hat. Das mag für euch nicht verständlich sein, aber wenn man mich so extrem verletzt und enttäuscht ziehe ich alle Register und breche mit allem ab. Bei Freundschaften war es bei mir auch nicht anders – mit dem Unterschied, dass die Personen damals nicht so viele Chancen erhalten haben, wie eben mein Exmann in den letzten Jahren. Ich empfinde die beiden Extreme Liebe und Hass sehr stark, liegt mitunter an meinem Temperament und vor allem an meinem Gerechtigkeitssinn. Ich hasse nichts mehr, als wenn man mich falsch behandelt. Weswegen es auch nicht sonderlich leicht ist einen Mittelweg zu finden, nachdem das Vertrauen schon so dermaßen angekratzt wurde. Und wenn es dann zu einem endgültigen Bruch kommt ist jeder Funken der ehemals vorhandenen Zuwendung wie weggeblasen und es herrscht in meinem Herzen Enttäuschung, Wut und Trauer.

Ich muss euch gestehen, ich hatte Angst, dass ich ohne Theraphie die Zeit in der Scheidungsphase bzw. danach nicht meistern könnte. Ich hatte das Gefühl, man hätte mich gebrochen und ich erkannte mich nicht wieder. Bis zu dem Zeitpunkt, als mein Exmann seine Sachen holte und ich ihn das letzte Mal ansah und mir dann schlagartig bewusst wurde, er ist es einfach nicht wert. Ab da änderte sich meine Einstellung. Ich hörte auf zu weinen, fing an zu daten – btw. die grenzgenialen Stories könnt ihr in diesem Blogpost nachlesen – ging auf Events und unternahm sehr viel mit meinen Freunden. Ich fing an mein Leben als Einzelperson zu genießen. Keine Rücksicht mehr nehmen müssen. Kein Bekochen müssen, keine zwanghafte Bespaßung, keine Hintergedanken mehr, ob ich in seinem Handy weitere intime Nachrichten finden würde – und vor allem keine Enttäuschungen mehr!

Ich entdeckte Plätze in Wien, die ich zuvor nicht kannte und das obwohl ich hier schon seit 27 Jahren lebe. Immer wieder stelle ich mir selbst die Frage, was ich die letzten 14 Jahre gemacht habe – außer nichts -, dass ich so vieles „verpasst“ habe. Klar liegt es auch mitunter daran, dass ich jetzt blogge und somit mit einem anderen Blickwinkel durch die Gassen laufe. Dennoch ist es so, dass man früher die Zweisamkeit auch anders hätte nutzen können, als ständig nur vorm PC zu hocken. Die Prioritäten haben sich verschoben und ich bin wirklich froh darüber.

Für diejenigen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden möchte ich euch folgendes mitgeben:

  1. Versucht aus der Situation das Beste zu machen. Findet neue Hobbies, die euch erfüllen. Genießt die Zeit mit euren Tieren, geht spazieren, entdeckt neue Plätze, setzt euch auf eine Bank und bewundert die Natur. Genießt eure wiedergewonnene Freiheit und Zeit.
  2. Kleidet euch neu ein oder gestaltet eure Wohnung neu um. Step by step weichen so alte Erinnerungen an Vergangenes.
  3. Amüsiert euch und geht tanzen. Es gibt nichts Schöneres, als den Frust raustanzen zu können. Ihr glaubt gar nicht, was für ein Glücksgefühl ihr nach einer durchzechten Nacht habt.
  4. Zwingt euch unter Leute zu gehen. Alle noch so belanglosen Konversationen bringen euch auf andere Gedanken und genau das braucht ihr im Moment.
  5. Und zu guter Letzt: „nutzt“ eure Freunde aus. Das klingt jetzt härter als es gemeint ist, aber richtige Freunde nehmen sich Zeit für euch und hören sich euren Leidensweg an. Egal wie deprimiert ihr noch sein mögt, sie sind für euch da und bauen euch auf. Sie weinen mit euch, bringen euch zum Lachen und geben euch die Kraft, die ihr in solchen Momenten benötigt. Kapselt euch nicht aus, lasst sie an euren Gefühlen teilhaben. Wahre Freunde sind auf eine Art und Weise die beste Theraphie, die man sich wünschen kann, denn sie können euch genau da auffangen, wo ihr sie am meisten braucht.

Mein Freundeskreis ist um einige liebe Menschen gewachsen, die ich nicht mehr in meinem Leben missen möchte und denen ich wirklich schöne Momente in meiner schweren Zeit verdanke. Durch sie habe ich wieder angefangen mich mit schönen Dingen in meinem Leben auseinander zu setzen – wie z.B. dem Kochen – und dadurch auch neue Kraft geschöpft. Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussehen wird, aber ich werde sie mir so gestalten, wie ich sie für richtig halte. Und irgendwann kommt mein Traumprinz angeritten, der mich all das Leid vergessen lassen wird und neue gemeinsame Erinnerungen mit mir schafft …

Xoxo Karo

 

Fotocredits (c) Miriamblitzt

 

31 Kommentare zu „Scheidung – was jetzt?! Meine derzeitige Gefühlslage & 5 Tipps, um nicht zu „vereinsamen“

  1. Wow toller Text – schön dass du so kraftvoll aus dem ganzen rausgekommen bist …

    Ich kenne dich aus den Stories als kraftvolle, temparamentvolle Frau und denk du kommst sehr gut alleine klar 🙂

    LG Daniela N. aus linz

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  2. Ich finde es so toll das du diese Erfahrungen mit uns teilst liebe Karolina. 🙂
    Du bist eine wirklich starke Frau und kannst stolz auf dich sein!
    Ich glaube ich hätte in diesem Moment gleich gehandelt wie du und alle gemeinsamen Erinnerungen zerstört und Fotos zerissen. Schön das du inzwischen schon neue Bekanntschaften schließen konntest und alles so gut meisterst. 🙂 Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin viel Kraft!
    Liebste Grüße Tamara

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  3. Hallo, toll geschrieben. Ich kann deinen Schmerz nicht genau nachfühlen, da ich noch nicht in dieser Situation war. Habe aber das Gefühl dieses loslassen kann auf alle Trennungen und Abschied angewendet werden. Ich wünsche dir alles gute für die weitere Zeit und, dass dein Glück bald für immer anhält. Egal ob allein, zu zweit oder wie auch immer!!

    Lg Cordi

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  4. Liebe Karo, danke für einen tollen Beitrag. Ich habe eine Freundin, die ihren Mann im besten Alter verloren hat, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Das ist natürlich eine andere Situation, aber am Ende geht es ja doch darum, wie sich das Leben alleine meistern lässt. Und ihre Fragen waren natürlich die gleichen Fragen. Komme ich mit dem Geld aus, kann ich in diesem Haus wohnen bleiben, wie werden meine Kinder es stemmen. und auch sie versucht die Tipps, die du gibst, zu beherzigen. Mittlerweile ist es zehn Monate her und so langsam stellt sich etwas wie der Alltag ein – nach einer harten Zeit, aber so etwas braucht viel mehr Zeit als man zuerst glaubt. Dafür sind solche Leben doch zu verwoben miteinander. Sei gedrückt. Simone

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  5. Hi Karo,
    aus jeder noch so schwierigen Situation kommt man meiner Meinung nach gestärkt heraus. Ablenkung ist in so einer Situation immer wichtig und hilfreich um neue Lebensziele zu finden.
    Ich wünsche dir auf deinem Weg alles Gute und dass du später vielleicht nicht nur Hass empfindest, sondern dich auch gerne an schöne Momente (die es sicherlich auch gab) erinnern kannst!
    LG Melli

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  6. Meine Güte, du hast mich mit deinen Worten sehr berührt, weil solche Gedanken auch zum Leben gehören. Und Gefühlstage kann man nie abstellen. Tausend Dank auch fuer deine Tipps!

    Liebe Grüße,
    Alexandra.

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  7. Hallo Liebes!
    Der Text ist wirklich toll und du transportierst ganz viel Gefühl damit.
    Du bist wirklich eine starke Frau und ich freue mich sehr für dich, dass es dir mittlerweile besser geht 🙂
    Schön, dass du deine Schritte hier mit uns teilst.

    Liebe Grüße, Caro :*
    http://nilooorac.com/

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